Nürnberger Immobilien Börse
Ratgeber Regenerative Energie

Wieso eine kombinierte Strom- und Wärmeversorgung für Mehrparteienhäuser lohnt

veröffentlicht am: 26.03.2024

Im Rahmen der Wärmewende wird nachhaltiges Heizen immer wichtiger. Damit die Wärmeversorgung innerhalb der Bundesrepublik bis 2045 Klimaneutralität erreicht, müssen neue Technologien wie strombetriebene Wärmepumpen bisher fossil dominierte Heiztechnik ablösen. Noch umweltfreundlicher wird dieser Schritt, wenn der Strom zum Betrieb von Wärmepumpen aus Solaranlagen stammt. Effiziente Energiekonzepte wie dieses sind nicht nur für Einfamilien-, sondern auch für Mehrfamilienhäuser relevant. So insbesondere im Rahmen von Mieterstrom-Konzepten, die die Strom- und Wärmeversorgung vermieteter Immobilie miteinander kombinieren. Mieter profitieren von diesem System ebenso wie Vermieter. Einen Überblick über das Thema gibt es hier.

  

  

Wärmepumpe mit Solaranlage: Was Vermieter zu dem regenerativen Energiekonzept wissen sollten

Trotz Klimaschutzbestrebungen steckt die Wärmewende innerhalb der Bundesrepublik noch immer in den Kinderschuhen. Obwohl sich in Neubauten langsam regenerative Heizenergie durchsetzt, werden im Bestand noch immer etwa drei Viertel aller Wohngebäude mit Erdgas oder Heizöl beheizt. Dabei sind die jeweiligen Heizungsanlagen im Durchschnitt fast 18 Jahre alt. Dadurch entstehen im Gebäudesektor beim Heizen eine Menge Emissionen, die vermieden werden könnten. So beispielsweise durch Wärmepumpenheizungen, die mit Solarstrom betrieben werden und dadurch fast völlig CO2-neutral heizen. Wärmepumpen nutzen Umgebungswärme, um unter der Zuhilfenahme von Strom Heizenergie zu produzieren.

 

Das günstigste und bundesweit am häufigsten genutzte Modell ist die Luftwärmepumpe, die der Umgebungsluft Wärme entzieht und ein Heizmedium auf die jeweils gewünschte Temperatur erwärmt. Bei einem Leistungsgrad zwischen 250 und 500 Prozent sind Wärmepumpen deutlich effektiver als Öl- und Gasheizungen, deren Wirkungsgrad bei nur 90 Prozent liegt. In mehr als der Hälfte aller deutschen Neubauten wurde schon 2022 angesichts solcher Zahlen eine Wärmepumpe installiert. Zu den größten Vorteilen des Heizsystems zählen neben der Effizienz

  • die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern.
  • der emissionsarme und umweltfreundliche Heizbetrieb.
  • die geringen Betriebskosten.
  • der wartungsarme Betrieb.
  • die relativ hohe Zukunftssicherheit.
  • die Vielseitigkeit und Flexibilität.

  

Mit diesen Vorteilen spielen Wärmepumpen ihr volles Potential vor allem in gut gedämmten Häusern aus – am besten in Kombination mit Niedertemperatur-Heizkörpern wie Fußbodenheizungen. Weil Bestandsbauten oft nicht so gut gedämmt sind wie Neubauten, wurde die Effizienz von Wärmepumpen bei der nachträglichen Installation im Altbau in der Vergangenheit oft angezweifelt. Mittlerweile haben Studien allerdings ergeben, dass sich die Systeme auch in mehr als 90 Prozent aller deutschen Bestandsbauten effizient betreiben lassen.

  

Zurecht gelten die Heiztechnologien dabei als eine der wichtigsten Säulen der Energiewende. Denn zwei Drittel des Endenergieverbrauchs entfallen in Privathaushalten auf die Heizung. Allein die Warmwasseraufbereitung macht 16 Prozent aus. Wenn Immobilienbesitzer in Kombination mit einer Solaranlage eine Wärmepumpe betreiben, profitieren sie angesichts dieser Zahlen in vielerlei Hinsicht. Denn die Energiekosten sinken dadurch sowohl bei der Strom- als auch Wärmeversorgung der Mieter. Zur selben Zeit werden durch die Umweltfreundlichkeit des Gesamtsystems hohe Förderkriterien erfüllt. Zudem steigt der Direktverbrauch des erzeugten Solarstroms, was ebenfalls mit finanziellen Vorteilen verbunden ist.

  

  

Sektorenkopplung für Strom und Wärme: Diese Möglichkeiten bieten sich für Vermieter

Der Klassiker im Hinblick auf eine kombinierte Strom- und Wärmeversorgung in Mietshäusern sind Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke. Diese Möglichkeit lohnt jedoch nur bei einer kontinuierlich hohen Wärmeabnahme, sodass das Konzept eher für große Gebäude geeignet ist. Im Unterschied dazu ist die Verbindung von Solarstrom und Wärmepumpe auch für kleinere Mehrparteienhäuser lohnenswert. Je kleiner das Haus ist, desto eher kann der Wärmebedarf dabei durch eine einzige Wärmepumpe gedeckt werden. Allerdings kommen in Mieterstromkonzepten innerhalb von Quartieren und Mehrfamilienhäusern immer öfter auch mehrere Wärmepumpen zum Einsatz. Jene können über SG-Ready-Schnittstellen miteinander verknüpft werden und über ein Energiemanagementsystem gesteuert werden. Oft ergänzen sich einzelne Wärmepumpen im Rahmen solcher Ansätze gegenseitig und übernehmen vielfältige Aufgaben. Eine größer dimensionierte Wärmepumpe kann beispielsweise die Wärmeversorgung im Winter erledigen, während eine zweite im Sommer für Klimatisierung sorgt. Ein drittes, eher kleiner ausgelegtes Gerät kann in diesem Fall der Warmwasserbereitung dienen.

  

Wichtig ist bei einer kombinierten Strom-und-Wärmeversorgung mit Wärmepumpen und Solaranlage, dass der Solarstrom erst in zweiter Linie für den Betrieb der Wärmepumpen verwendet wird. Nur so bleibt die Stromversorgung der Mieter zu jeder Zeit gesichert. Idealerweise werden Wärmepumpen zu diesem Zweck mit einem passend dimensionierten Pufferspeicher installiert. So bleiben sie im Hinblick auf den Strombedarf flexibel und können zeitversetzt zur Wärmeversorgung Strom aufnehmen. Im Hinblick auf den Solarstrom fungiert jede installierte Wärmepumpe dabei selbst als eine Art Speicher. Denn wenn die PV-Anlage zur Mittagszeit einen Stromüberschuss produziert, kann jener beispielsweise unmittelbar in die Warmwasserbereitung mittels Wärmepumpe fließen.

  

  

Expertentipp zu Mieterstromkonzepten mit Wärmepumpen und PV-Anlage

Wer für Mietimmobilien die Kombination aus Wärmepumpen und Solaranlage plant, macht mit einer klimatisierenden Wärmepumpe im Sommer den meisten Gewinn. Denn bei Sonnenschein produziert die Solaranlage am meisten Strom, wobei zur selben Zeit der Kühlbedarf im Haus steigt. Dadurch wird besonders viel selbst produzierter Strom unmittelbar verbraucht, was im Vergleich zu Einspeisevergütungen lukrativer ist.

  

  

Mieterstromgesetz und Mieterstromzuschlag: Wichtige Hinweise für Vermieter

Wer als Vermieter eine Photovoltaikanlage zur Versorgung von Mietobjekten auf dem Dach installiert, verkauft seinen selbst produzierten Solarstrom sozusagen direkt an seine Mieter. Solange er dafür höchstens 90 Prozent des gängigen Grundversorgungstarifs im jeweiligen Gebiet verlangt, erhält er von Netzbetreibern einen sogenannten Mieterstromzuschlag. Seit 2021 beläuft sich jener auf bis zu 3,79 Cent pro Kilowattstunde. Diese Förderung gilt schon seit der Einführung des Mieterstromgesetzes im Jahr 2017. Bis dahin profitierten nur Vermieter selbst von der Installation einer Photovoltaikanlage. Mit dem Gesetz sollte günstiger Solarstrom auch Mietern zugänglich gemacht werden.

  

Angesichts des Mieterstromzuschlags lohnen kombinierte Energiekonzepte aus Photovoltaik und Wärmepumpe umso mehr. Denn je mehr Solarstrom aus der Solaranlage einzelne Mieter verbrauchen, desto mehr Zuschläge erhält der Vermieter. Weil eine Wärmepumpe jährlich zwischen 4.000 und 5.700 Kilowattstunden Strom benötigt, steigt der Eigenverbrauch des Solarstroms deutlich. Der Vermieter verkauft auf diese Weise also umso mehr Strom direkt an seine Mieter und wird dafür vergütet.

  

  

Expertentipp zum Mieterstromkonzept mit Solaranlage und Wärmepumpe

Bei der Realisierung des beschriebenen Konzepts kommt es vor allem auf die optimale Dimensionierung der Solaranlage, der Wärmepumpen und der zugehörigen Speicher an. Zudem ist bei kombinierten Anlagentechniken immer eine individuelle Abklärung mit dem jeweiligen Netzbetreiber erforderlich. Das geplante Messkonzept muss durch ihn genehmigt werden.

  


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